Wir können das Glück noch einmal neu erfinden
Wie eine einfache Wohlstands-Fiktion uns Zeit raubt, ohne wirklich glücklicher zu machen.
Viele Menschen zweifeln inzwischen daran, dass Glück überhaupt erreichbar ist. Dieser Zweifel ist nachvollziehbar. Denn so, wie wir uns den Weg zum Glück lange vorgestellt haben, funktioniert er immer weniger. Obwohl wir immer mehr investieren, stagniert in Umfragen das Glücksempfinden – eine Art „rasender Stillstand“. Dies ist das Ende des Glücks, wie wir es kannten. Das Problem ist aber nicht das Glück selbst.
Wie eine primitive Wohlstands-Fiktion uns Zeit raubt, ohne wirklich glücklicher zu machen.
Das Problem ist eine erstaunlich primitive Wohlstands-Fiktion. Ihr zufolge entsteht Glück in drei Schritten: Wir verwandeln Zeit in Geld, Geld in Konsum – und hoffen, dass durch Konsum am Ende ein gutes Leben entsteht. Das Glück liegt angeblich am Ende der Umwandlung von Zeit, und hinter der Paywall. Der eigentliche Haken ist nicht einmal, dass diese Strategie nur sehr begrenzt funktioniert. Der Haken ist, dass uns nach all diesen Umwandlungen die Zeit fehlt. Ein perfektes Symbol dafür: Wir kaufen Bücher und legen sie auf den Stapel anderer ungelesener Bücher, weil uns die Zeit fehlt, sie zu lesen… Der Stand der Forschung ganz hart zusammengefasst: Kein Glück ohne Zeit.
Wenn Glück unerreichbar wirkt, dann also oft nur deshalb, weil wir versucht haben, es auf dem falschen Weg zu erreichen. Natürlich sind wir ein ordentliches Stück weit gekommen: niemand in einem Land wie Deutschland könnte zu Recht behaupten, ihm ginge es wegen der äußeren Rahmenbedingungen schlecht. Aber wir haben lange versucht, Lebensqualität ohne ausreichend verfügbare Zeit zu denken. Das können wir getrost über Bord werfen…
Fazit: Es gibt kein Problem mit dem Glück an sich. Es kommt aber ganz darauf an, wie wir versuchen, es zu erreichen.